Erkrankung der Psyche und eine Berufsunfähigkeitsversicherung – das passt nicht zusammen. Stimmt das? Die Berufsunfähigkeitsversicherung (auch „BU“ oder „BU-Versicherung“) gehört unserer Meinung nach zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Warum hält sich das Vorurteil so hartnäckig, dass eine psychische Vorerkrankung und eine BU-Versicherung nicht zusammenpassen - oder ist es etwa gar kein Vorurteil?
Die Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit sind inzwischen psychische Erkrankungen wie Burnout, Depression oder Angststörungen.
Das Problem: Genau diese Erkrankungen machen es für betroffene Menschen schwierig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Psychische Vorerkrankungen haben oft zur Folge, dass Antragsteller/innen entweder direkt eine Ablehnung erhalten oder nur einen Vertrag in Verbindung mit Risikozuschlägen oder Ausschlüssen.
Zahlen, Daten, Fakten

„Aber mir geht es doch gut…“ ist oft ein Satz, der im Zusammenhang mit dem Vorschlag eine BU-Versicherung abzuschließen, fällt. Leider sprechen Statistiken da eine andere Sprache. So kommt der GDV (Gesamtverband der Versicherer) zu dem Ergebnis, dass schon 2022 rund 35% alle Fälle einer Berufsunfähigkeit auf psychische Erkrankungen zurück zu führen sind. Auch die Allianz kommt zu dem Ergebnis, dass mit rund 34,5% psychische Erkrankungen inzwischen die häufigste Ursache sind. Aber auch abseits von psychischen Erkrankungen ist das Risiko, berufsunfähig zu werden, hoch.
Besonders betroffen: Männer und Frauen zwischen 20 und 30 Jahren.
Chancen auf eine BU trotz psychischer Vorerkrankung
Also keine Chance auf eine (bezahlbare) BU-Versicherung wegen psychischer Vorerkrankungen?
Nein! Im folgenden Artikel will ich Möglichkeiten aufzeigen, trotz psychischer Vorerkrankungen eine BU abzuschließen, worauf man bei der Antragstellung auf jeden Fall achten sollte und warum eine BU-Versicherung auch mit Ausschluss der Psyche besser sein kann als ihr Ruf.
BU und Psyche: Das Paradoxon der Absicherung
Psychische Erkrankungen sind eine der häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit und trotzdem machen sie es schwerer, eine passende Absicherung abzuschließen. Versicherer sehen in psychischen Vorerkrankungen ein hohes Risiko, weil Rückfälle nicht ausgeschlossen werden können und Diagnosen oft schwer (objektiv) zu bewerten sind.
Ein paar Aspekte können bereits weiterhelfen:
- Nicht jede psychische Behandlung führt automatisch zur Ablehnung! Es kommt darauf an, wann und in welchem Kontext sie stattfand.
- Anonyme Voranfragen können helfen. Lassen Sie sich von einem spezialisierten Versicherungsmakler bzw. einer spezialisierten Versicherungsmaklerin beraten, kann dieser sogenannte anonyme Voranfragen stellen und so herausfinden, welcher Versicherer am besten passt – ohne dass personenbezogene Daten beim Versicherer landen. Das erleichtert den objektiven Vergleich unterschiedlicher Angebote und schützt Ihre Daten.
- Tarife mit toleranter Risikoprüfung. Manche Anbieter sind bei bestimmten Diagnosen kulanter als andere – auch hier können Berater/innen mit entsprechendem Knowhow weiterhelfen!
Chancen trotz psychischer Vorerkrankungen – so geht’s!
Gerade für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen gilt: strategisch vorgehen und die besten Chancen auf eine BU-Versicherung sichern:
- Zeit heilt viele Wunden: Je länger die letzte Behandlung her ist, desto besser. Mindestens 5 Jahre ohne Beschwerden sind ideal, aber auch nach 2–3 Jahren gibt es noch Chancen.
- Kontext ist entscheidend: Eine einmalige Therapie nach einem belastenden Lebensereignis (z. B. Trauerfall) wird oft anders bewertet als eine chronische Depression.
- Gezielte Anbieterauswahl: Manche Versicherer sind strenger als andere. Eine anonyme Risikovoranfrage hilft, den besten Anbieter zu finden.
- Gute Dokumentation: Wer nachweisen kann, dass die Erkrankung gut überwunden wurde, hat bessere Karten. Eine Bescheinigung vom/n behandelnden/r Arzt / Ärztin kann helfen.
- Alternativen abwägen: Falls eine reguläre BU nicht möglich ist, gibt es immer noch Lösungen – z. B. eine BU mit Ausschluss der Psyche oder eine Grundfähigkeitsversicherung.
BU-Versicherung mit Ausschluss Psyche – besser als ihr Ruf?
Viele Menschen denken: „Wenn ich eine Berunfsunfähigkeitsversicherung mit Ausschluss der Psyche abschließe, ist das nutzlos.“
Das ist schlicht ein Trugschluss! Ja, psychische Erkrankungen sind immer häufiger der Grund für eine Berufsunfähigkeit, aber eben nicht 100% aller Ursachen!
- Körper: Die meisten körperlichen Erkrankungen sind weiterhin abgesichert, z.B. Bandscheibenvorfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Unfälle, ebenfalls häufige Ursachen die zu einer Berufsunfähigkeit führen können.
- Sicher ist sicher: Besser als gar keine Absicherung. Wenn eine vollständige BU nicht möglich ist, kann eine BU mit Ausschluss Psyche trotzdem einen Großteil der Risiken abdecken – und ist preislich oft attraktiver als vergleichbare Produkte.
- Individuelle Risikoabwägung: In manchen Berufen sind psychische Erkrankungen ein höheres Risiko, in anderen nicht. Je nach persönlicher Situation kann sich eine BU mit Ausschluss also durchaus lohnen.
Sinnvolle Alternativen zur BU-Versicherung?
Falls eine Absicherung Ihrer Berufsunfähigkeit (auch mit Ausschluss) nicht möglich ist, gibt es andere Wege der Absicherung:
- Grundfähigkeitsversicherung: Diese Absicherung zahlt ebenfalls eine monatliche Rente, wenn bestimmte Grundfähigkeiten (z. B. Gehen, Heben, Sehen) verloren gehen. Besonders für Menschen im Handwerk oft eine sehr gute Alternative.
- Dread Disease: Die Absicherung mit dem etwas seltsamen Namen „Dread Disease“ kann man auch als Versicherung gegen Schwere-Krankheiten bezeichnen. Sie leistet zum Beispiel eine Einmalzahlung bei bestimmten Diagnosen wie Krebs oder Herzinfarkt.
- Erwerb absichern: Die Erwerbsunfähigkeiten-Versicherung ist oft günstiger als eine BU, zahlt aber erst, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann – nicht nur den bisherigen Beruf!
Eine Absicherung, die für dich eine finanzielle Basis schafft, ist also fast immer möglich! Psychische Vorerkrankungungen bedeuten eben nicht automatisch das Aus für eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Auf die Strategie kommt es an
Mit der richtigen Strategie gibt es oft gute Möglichkeiten:
- Gezielte Auswahl der Versicherung (anonyme Voranfragen nutzen!)
- Lang genug zurückliegende Diagnosen haben Chancen
- BU mit Ausschluss Psyche kann eine sinnvolle Lösung sein
- Grundfähigkeitsversicherung als Alternative für körperliche Berufe
Mir ist wichtig, dass Sie sich nicht vorschnell entmutigen lassen, sollten Sie mit dieser Situation konfrontiert sein. Lassen Sie sich ausführlich und mit einem offenen Blick auf individuelle Möglichkeiten beraten. Eine unpassende oder sogar gar keine Absicherung sind ganz oft die schlechtesten Lösungen. Gerne prüfen wir Ihre Möglichkeiten – ganz unverbindlich!
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